Metrion – Führungssteckbrief: Erich Lemp, LD bei der Robert Bosch GmbH

Erich Lemp (61) ist Vice President Manufacturing Management bei der Robert Bosch GmbH. Er ist Leiter der Fertigung Einspritzsysteme für Nutzfahrzeuge im Geschäftsbereich Diesel Systems.

Erich Lemp

Was ist für Sie der größte Lust-, was der größte Unlustfaktor in Ihrer Arbeit?
Es gibt immer wieder Leute, die einen beflügeln (Lust) und andere, die einen bremsen (Frust). 

Was sehen Sie als Ihre wichtigste Führungsaufgabe an?
Führen, selbstverständlich. Mitarbeiter erfolgreich arbeiten lassen. Arbeiten an „gesunden, stabilen Vorurteilen“.

Welche Führungsvorbilder haben Sie geprägt und was hat sie an diesen Menschen besonders beeindruckt?
Habe keine. Hatte mal einen Dozenten, dem es gelang, mich neugierig zu machen.

Was war für Sie die wichtigste Lernerfahrung als Führungskraft?
„ Die Welt ist die Summe aller Tatsachen und nicht die Summe aller Dinge.“ (L. Wittgenstein) „... und es kommt darauf an, dass wir die „Tatsachen, wie sie sind“ vor den „Tatsachen“ retten, "wie sie uns erscheinen!" (A.N. Whitehead)

Von welchem Buch / welchem Autor haben Sie die interessantesten Impulse für Ihre Arbeit als Führungskraft bekommen?
Es gibt viele, zum Beispiel: Whitehead: Funktion der Vernunft; Feyerabend: Wider den Methodenzwang; Marina: Ètica para náufragos (Ethik für Gestrandete [Übersetzung der Redaktion]); Bourdieu: Das Elend der Welt

Wenn coachen bedeutet, jemandem in schwierigen Situationen durch Zuhören, Fragen, Anregungen etc. substantielle Unterstützung zur Findung eigener Lösungen zu geben, wen würden Sie dann als Ihren Coach / Ihre Coaches bezeichnen?
Meine „Nachdenk-Wanderungen“ und das Motto: „ante el miedo hecho y al hecho pecho“. (Der Angst mit Taten begegnen, den Taten mit Entschlossenheit. (Übersetzung der Redaktion])

Welchen guten Tipp würden Sie jungen Führungskräften gern mit auf den Weg geben?
„ An jeder Stelle immer so arbeiten, als wäre man für immer dort. Achtung: (nicht nur) Mitarbeiter verhalten sich zielkonform.

Was halten Sie von Freuds These, dass Arbeit sublimierte Sexualität ist?
Arbeit muss Freud´ machen. Wusste doch, da war noch was!

Was sind für Sie die drei wichtigsten Dinge, die Sie tun, wenn Sie nicht Ihrer Arbeit nachgehen?
Neugier und Staunen; Wiedergutmachung (am Körper).

Wenn Sie nicht Sie selbst wären: wer würden Sie gern sein, wer wären Sie gern gewesen?
Nie darüber nachgedacht. Halte es mit dem Spruch: „más vale lo malo conocido que lo bueno por conocer.“ (Lieber das bekannte Schlechte als das noch nicht bekannte Gute [Übersetzung der Redaktion])

Worin sehen Sie typischerweise den größten Unterschied im praktizierten Führungsverhalten auf den unteren und den obersten Managementebenen?
Unten: „Perception without conception is blind. Oben: „Conception without perception is empty.“( frei nach Kant)

Worauf glauben Sie, sollten Spitzenmanager heutzutage und hierzulande mehr achten?
Auf ihre Verantwortung für Andere.

Was denken Sie, kennzeichnet das gelebte Führungsverhalten in Ihrer Organisation (positiv und negativ) in besonderer Weise?
Die rasche (+) Anpassung neuer Vokabeln an gleich bleibendes Verhalten (-).

Welche Organisation würden Sie gern mal – zumindest zeitweise – näher von innen erleben?
Das Chinesische Politbüro (nur zeitweise).

Worauf wird es zum Thema Führung nach Ihrer Einschätzung in Zukunft besonders ankommen?
Schnelle Antworten auf sich schneller veränderndes Umfeld. Extrapolation von Erfahrung immer gefährlicher.