Was bedeutet eigentlich ... Lessons Learned?
Der Begriff “Lessons Learned”– bezeichnet in erster Linie die Summe der Kenntnisse oder Erkenntnisse, die durch eine erlebte Erfahrung gewonnenen werden. Aus dem Amerikanischen kommend bezeichnet er so etwas wie die “aus dem Leben gezogenen Lehren”. Dabei kann es sich sowohl um als gut empfundene, positive Ereignisse oder auch um solche, die eher negative, fehlerhafte Spuren hinterlassen haben, handeln. Auf jeden Fall handelt es sich um
a) signifikante Erfahrungsmomente, die einen einschneidenden und wichtigen Einfluss oder Effekt auf ein bestimmtes Geschehen gehabt haben,
b) valide und fundierte Erfahrungen, die eindeutigen Kontexten und Rahmenbedingungen zuzuordnen sind,
c) übertragbare und nützliche Erkennnisse, die für andere, spezifische Kontexte, Prozesse oder Entscheidungssituationen relevante Informationen liefern können und die helfen können, rechtzeitig potentielle Fallen und Fehler zu erkennen, zu reduzieren oder sogar zu eliminieren.
Ursprünglich zuhause ist der Begriff vor allem im Projektmanagement: Lessons Learned ist dort ein wichtiger Teil der Projektabschlussdokumentation, in der signifikante Erfahrungen aus dem Projektalltag gesammelt, verdichtet, strukturiert und archiviert werden, die dann als Basis und als nützliche Hinweise bei der Vorbereitung ähnlicher Projekte dienen sollen. Gelingt es einem Unternehmen im Rahmen eines etablierten Projektmanagementsystems oder eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses diese Erkenntnisse und Hinweise der gesamten Organisation zur Verfügung zu stellen, so kann es auch zu einem zielgerichteten, systematischen Einsatz und einer kontinuierlichen Optimierung des „Erfahrungsschatzes“ der Organisation zum Wohl der gesamten Organisation führen. In diesem Falle finden die „Lessons Learned“ auch einen Platz im Wissensmanagement des Unternehmens.
In der Literatur hält sich die Begeisterung für die Einführung eines durch Wissensmanagement gestützten Lessons-Learned-Systems allerdings in Grenzen. Der genaue Inhalt der Lessons Learned hängt ja stark von der spezifischen Aufgabe und der besonderen Situation eines Projektes ab. Die Übertragbarkeit ist nicht immer einfach zu gewährleisten. Darüber hinaus ist der Organisations- und Dokumentationsaufwand nicht zu unterschätzen: so sind die signifikanten (Projekt-)Erfahrungen, die wertvolle Anhaltspunkte für Folgeprojekte bieten können, in der Regel nicht in gut strukturierten Datenbanken mit unternehmensweitem Zugriff zu finden.
Eine weitere Kritik zielt auf die Tatsache, dass das Prinzip der Lessons Learned per Definition eine retrospektive Fokussierung auf ein Geschehen verlangt und damit weniger auf eine kraftvolle zukunfsorientierte Betrachtung zielt: Wir schauen rückwärts und ziehen unsere Schlüsse. Die Gefahr dabei ist, den strategischen, visionären Blick eines kontinuierlichen Verbesserungsprozess außer Acht zu lassen. Um dieser – in Teilen durchaus berechtigten - Kritik begegnen zu können, erscheint es unerlässlich, den Blick, ja die Perspektive zu erweitern und die Frage nach den gemachten Erfahrungen folgendermaßen zu erweitern und ergänzen:
- Welche Erfahrungen haben wir gemacht?
- Was haben wir daraus gelernt?
- Wie kam es dazu bzw. welche Fehlannahmen und/oder strategischen Wissenslücken hat es gegeben, die uns zu diesem Denken und Handeln verleitet haben?
- Wie wollen wir diese strategischen Lücken in Zukunft verhindern bzw. schließen?
- Was ist zu tun?
Somit ließen sich Lessons Learned in eine innere und gemeinsam getragene Haltung oder in eine Art strategisches Werkzeug verwandeln – weniger etwas, das in Archiven und Datenbanken ruht sondern etwas, das das Zeug hat, aktiver Bestandteil eines kontinuierlichen Entwicklungs- und Verbesserungsprozesses zu werden.
Es wird immer gleich ein bisschen anders, wenn man es ausspricht.
Hermann Hesse


