Was bedeutet eigentlich ... Diversity Management?

Elizabeth Loehnert-Baldermann

„Diversity“ ist das englische Wort für „Heterogenität“ „Unterschiedlichkeit“, „Vielfalt“. Das Konzept des „diversity management“ bzw. „managing diversity“ stammt auch ursprünglich aus den USA und fand Ende der 90er Jahre im Zuge der allgemeinen Internationalisierung Einzug in die europäische Diskussion über Strategie und Unternehmensführung im globalen Markt. Dabei geht es vorrangig um die strategische Aufgabe Unterschiedlichkeiten in Unternehmen sinn- und verantwortungsvoll zu gestalten. Diversity Management zielt darauf, Menschen, die unterschiedliche Lebens- und Berufserfahrungen, Sichtweisen und Werte haben, als wertvolles und unverzichtbares Kapital zu betrachten und dafür zu sorgen, dass sie ihr Wissen und ihre Erfahrung wirksam in die Organisation einbringen können.

Heute ist Diversity Management für viele Unternehmen ein Qualitätsmerkmal und wird als solches auch bei vielen öffentlichen Ausschreibungen berücksichtigt. Die dahinter stehende These ist: Menschliche Vielfalt und Unterschiedlichkeit in einer betrieblichen Organisation erhöhen die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Und diese These scheint zu stimmen: Umfragen zufolge wirkt sich Vielfalt in Bezug auf Alter, Geschlecht, Religion, professionellen und kulturellen Hintergrund aber auch in bezug auf Fähigkeiten der Mitarbeiter positiv auf die Unternehmenskultur und die Motivation der dort arbeitenden Menschen aus. Darüber hinaus versprechen sich Unternehmen natürlich auch direkte wirtschaftliche Vorteile durch mehr Offenheit, eine Verringerung menschlicher Konflikte und eine signifikante Erhöhung der Kreativität und Produktivität.

Eine globalisierte Wirtschaft braucht die unterschiedlichsten Kompetenzen einer – wenn möglich - heterogenen und dynamischen Belegschaft, um so die vielfältigen Bedürfnissen des Marktes und der Kunden zu befriedigen. Das heißt allerdings auch, dass Unternehmen diese interne Vielfalt intelligent und sinnhaft organisieren müssen. Personalstrategien, Strukturen und Prozesse müssen an diese neuen Anforderungen angepasst werden.

In den USA ist Diversity Management in hohem Maße mit der sogenannten "affirmative action" verknüpft, also vorrangig mit Antidiskriminierungsansätzen. In Europa und speziell in Deutschland liegen die Schwerpunkte im interkulturellen Management, in Fragen der Gleichstellung der Geschlechter und in der Integration von Menschen mit Behinderung. Diversity Management spiegelt in diesem Sinne auch die jeweils vorhandenen gesellschaftlichen Spannungs- und Konfliktfelder.

Der Hauptgedanke des Diversity Managements ist aber immer wieder die konstruktive Anerkennung von Unterschieden zwischen Menschen, und dafür bedarf es zu allererst eines bedeutsamen Wandels in den Köpfen: den anders Denkenden, den Fremden, als Partner wahrnehmen, Vielfalt nicht als Störung sondern als Geschenk betrachten, Begegnungen nutzen, um neue Perspektiven einzunehmen. Das ist die wichtigste Voraussetzung, um unternehmerische Vielfalt Nutzen bringend zu organisieren und zu vitalisieren.