Für Sie gelesen
Der Europäische Traum. Die Vision einer leisen Supermacht.
von Jeremy Rifkin, erschienen im Fischer Verlag, 2006
Europa – das Modell der Zukunft? Der Amerikaner Jeremy Rifkins jedenfalls hält ein engagiertes Plädoyer für den europäischen Gedanken und für die Europäische Gemeinschaft. Diese zeichnet sich in seinen Augen durch besondere nationale und kulturelle Vielfalt, eine ‚Regierung ohne Mitte’, das ausgeprägte Streben nach einem harmonischen Miteinander auf der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Ebene aus. Besonders in der ersten Hälfte des Buches vergleicht Rifkins die amerikanischen und europäischen Werte, ihre Historie, Lebensart, Politik und Wirtschaft. Er untermauert seine Thesen durch vielfältige Untersuchungen und Statistiken. Der Autor geht dem Phänomen des ‚American Dream’ nach, das mit seinem Streben nach Autonomie des Einzelnen und des Nationalstaates, sowie der Chance auf Glück und Erfolg für jedermann lange die amerikanische Identität geprägt hat. Obwohl der Autor den Stolz auf seine Heimat nicht verbergen kann, sieht er die USA gesamtgesellschaftlich durchaus auch kritisch. Demgegenüber nimmt Rifkin in Europa mit seiner langen Tradition kriegerischer Auseinandersetzungen ein wachsendes Streben nach friedlichem Zusammenleben unterschiedlicher nationaler Kulturen wahr. Der ‚Europäische Traum’ ist für ihn gekennzeichnet durch eine ständige Suche nach der richtigen Balance zwischen Zentralität und Gemeinschaft auf der einen Seite sowie gleichzeitiger Sicherung der Autonomie der Einzelstaaten auf der anderen Seite. Im Unterschied zu den USA legt die europäische Gesellschaft aus seiner Sicht deutlich mehr Wert auf eine ausgewogene Lebensqualität denn auf materiellen Wohlstand und Reichtum. Das drückt sich zum Beispiel aus im Aspekt der Nachhaltigkeit unserer Lebensführung für kommende Generationen.
Ausführungen zu verschiedenen Themen wie dem Konzept des Eigentums, dem Funktionieren der Wirtschaft, dem Netzwerken in einer globalen Gemeinschaft, der wachsenden Bedeutung von Non Government Organisations etc runden das Bild ab. Auch wenn Rifkins vielleicht manches in Europa zu rosig sehen mag, es fällt schwer, sich seiner Begeisterung für den Europäischen Traum zu entziehen. Es macht nachdenklich, dass gerade ein Amerikaner zu diesen Schlussfolgerungen gelangt ist. Eine differenzierte Betrachtung unterschiedlicher ‚Weltbilder’ mit vielen Fakten und Hintergrundinformationen. Auch wenn man (natürlich) nicht allem zustimmen mag, ein interessante und anregende Lektüre!
Alles was Du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltes Du auch sagen.
Voltaire


