Metrion-Führungssteckbrief

Cornelia Kunze

Richard Schulze ist Direktor für Personal und Mitglied der Geschäftsleitung Deutschland und Westeuropa der Dyckerhoff AG.

Was ist für Sie der größte Lust-, was der größte Unlustfaktor in Ihrer Arbeit?
Lustfaktor: Gemeinsam mit Kollegen oder Mitarbeitern neue Dinge angehen und zügig umsetzen
Unlustfaktor: langatmige Meetings mit Selbstdarstellern ohne sichtbare Ergebnisse.

Was sehen Sie als Ihre wichtigste Führungsaufgabe an?
Mitarbeitern Freiräume für berufliche Herausforderungen schaffen, in denen sie sich mit neuen herausfordernden Aufgaben beschäftigen müssen und Erfahrungen sammeln können. Dabei gestehe ich auch Fehler zu, die aber nur einmal gemacht werden sollten.

Welche Führungsvorbilder haben Sie geprägt und was hat sie an diesen Menschen besonders beeindruckt?
Meine Führungsvorbilder waren jene Vorgesetzten, die mir vertraut haben und es ermöglicht haben, meine Potenziale bei neuen Aufgaben zu testen und weiterzuentwickeln.

Was war für Sie die wichtigste Lernerfahrung als Führungskraft?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das Leistungspotenzial der wenigsten Mitarbeiter voll ausgeschöpft wird und wir damit in den Unternehmen ungeheuere Ressourcen verschwenden. Wer den Mitarbeitern Vertrauen schenkt, bekommt als Gegenleistung auf der menschlichen aber auch der wirtschaftlichen Ebene sehr viel zurück.

Von welchem Buch / welchem Autor haben Sie die interessantesten Impulse für Ihre Arbeit als Führungskraft bekommen?
Prof. Malik: Führen-Leisten-Leben
Fritz Simon: Radikale Marktwirtschaft

Wenn coachen bedeutet, jemandem in schwierigen Situationen durch Zuhören, Fragen, Anregungen etc. substantielle Unterstützung zur Findung eigener Lösungen zu geben, wen würden Sie dann als Ihren Coach / Ihre Coaches bezeichnen?
Meine Frau und ein ehemaliger Kollege, der heute Managementberater ist.

Welchen guten Tipp würden Sie jungen Führungskräften gern mit auf den Weg geben?
Geduld und Gelassenheit üben und den Wert der eigen Führungsaufgabe nicht überschätzen. Führungskräfte und Experten sollten heute die gleiche Wertschätzung im Unternehmen haben, denn keiner kann ohne den anderen existieren.

Was halten Sie von Freuds These, dass Arbeit sublimierte Sexualität ist?
Eine Freund’sche Fehlleistung.

Was sind für Sie die drei wichtigsten Dinge, die Sie tun, wenn Sie nicht Ihrer Arbeit nachgehen?
Mich um die persönlichen Anliegen meiner Familie (Frau und zwei erwachsene Töchter nebst Schwiegersohn) zu kümmern, mit Freunden bei gutem Essen und einem Rheingau-Riesling zusammen zu sein und sich über die schönen Dinge des Lebens auszutauschen und mich körperlich fit zu halten.

Wenn Sie nicht Sie selbst wären: wer würden Sie gern sein, wer wären Sie gern gewesen?
Da ich mit mir und dem, was ich erreicht habe, zufrieden bin, stellt sich für mich die Frage nicht.

Worin sehen Sie typischerweise den größten Unterschied im praktizierten Führungsverhalten auf den unteren und den obersten Managementebenen?
Ich sehe dort keine großen Unterschiede, da es auf allen Ebenen gute und weniger gute Führungskräfte gibt.

Worauf glauben Sie, sollten Spitzenmanager heutzutage und hierzulande mehr achten?
Wer Wasser predigt, sollte auch Wasser trinken. Wir haben heutzutage in vielen Organisationen ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Was denken Sie, kennzeichnet das gelebte Führungsverhalten in Ihrer Organisation (positiv und negativ) in besonderer Weise?
Positiv: Die sozial Fürsorge für die Mitarbeiter als Ausdruck einer vom Firmengründer und den Nachfolgegenerationen gelebten Unternehmenskultur
Negativ: Die mangelnde Bereitschaft, sich mit dem eigenen Führungsverhalten und seinen Auswirkungen zu beschäftigen.

Welche Organisation würden Sie gern mal – zumindest zeitweise – näher von innen erleben?
Ein Kloster

 

Worauf wird es zum Thema Führung nach Ihrer Einschätzung in Zukunft besonders ankommen?

Die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter zu fördern und weiterzuentwickeln, um mit den Veränderungen in unserer Wirtschaft Schritt halten zu können.